Über uns

Fakten und Meinungen

Links zum Thema Fluglärm

  Gopfriedstutz    
 

NZZ 18. Oktober 2002

Die glückliche Hand des Genfer Rughafenchefs Jobin

 

Jean-Pierre Jobin ist in aufgeräumter Stimmung. Der Generaldirektor des knapp 500 Mitarbeiter zählenden Genfer Flughafens Cointrin kann in seinem weiträumigen Büro mit Blick auf die Piste eine Erfolgsgeschichte erzählen. «Sein» internationaler Flugplatz erfreut sich eines vergleichsweise resistenten Geschäftsgangs. Selbst in den zwölf Monaten nach dem 11. September 2001, die für die Aviatik-Branche alles andere als einfach waren, betrug der Rückgang des Passagieraufkommens in Genf eher bescheidene 3%. In Zürich erreichte der Krebsgang im gleichen Zeitraum mehr als 20%, in Basel 15% und in Lyon gut 10%. Dank geglückten Verhandlungen mit Thai und Continental wird Genf bald zwei weitere Überseeflüge - nach Bangkok und nach New York (Newark) - erhalten. Jede neue interkontinentale Verbindung bedeutet für Jobin auch einen persönlichen Sieg, weil er sich mit grossem Einsatz darum bemüht, Cointrin wieder stärker in das weltweite Flugnetz einzubinden.

Noch ist dem 61-jährigen Directeur général die bisher schwärzeste Stunde seiner über dreissigjährigen Tätigkeit in Cointrin in bester Erinnerung: der Mitte der neunziger Jahre gefällte Entscheid der Swissair, praktisch alle Interkontinentalflüge ab Genf einzustellen. Dieser Schritt bedeutete eine gewaltige Herausforderung. Mit spürbarer Bitterkeit erinnert sich Jobin, der erst gerade drei Jahre zuvor, aus dem technischen Bereich kommend, an die Spitze der Flughafendirektion aufgestiegen war, an die Intransigenz der Swissair-Verantwortlichen im Allgemeinen und des «Monsieur Bruggisser» im Speziellen. Ohne mit der Wimper zu zucken, überliessen sie den Genfer Flughafen seinem Schicksal. 1995 hatte die Swissair noch 45% des 

Genfer Marktes bestritten; mittlerweile liegt der Anteil von Swiss in Genf bei nur noch 25%. Dass Cointrin diesen Wandel erstaunlich gut überlebt hat erklärt sich, wie Jobin offen eingesteht, vor allem mit der Ankunft der Billigflug-Gesellschaft Easy Jet. Sie verlegte nach dem Kauf der TEA ihren kontinentaleuropäischen Hauptsitz nach Genf. Die Rettung verdankt Cointrin freilich nicht Easy Jet allein. Auch andere europäische Gesellschaften wie die Air France, British Airways und die Lufthansa sprangen in die von der Swissair hinterlassene Bresche. Trotzdem: Umsatzmässig fiel vor allem der Zuzug von Easy Jet ins Gewicht. Dank jährlich mehr als 1,5 Mio. von und nach Cointrin beförderten Flugreisenden hält dieser Newcomer bereits einen Anteil von mehr als 20% am Passagieraufkommen in Genf.

Dass Easy Jet sich damals für Cointrin entschied, hat mehrere Gründe. Einer davon ist bestimmt die grosse Kooperationsbereitschaft, welche der zuvorkommende Jobin und seine Mannschaft damals an den Tag legten. Der ehemalige Hobbypilot, der in Pruntrut zur Schule ging und der sich in der Folge an der Eidgenössischen Technischen Hochschule von Lausanne zum Bauingenieur ausbildete, ist ein Mann der Tat. Er versteht es, im entscheidenden Moment zuzupacken. Auch wenn er im Rückblick eingesteht, gar keine andere Wahl gehabt zu haben, so verstand er es doch, aus der Not eine Tugend zu machen beziehungsweise eine Schwäche in einen Trumpf umzuwandeln. Gemeint ist damit etwa die Tatsache, dass seit dem Teilrückzug der Swissair in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre nur noch 3% des jährlichen Passagieraufkommens von knapp 8 Mio. Flugreisenden in Cointrin auf Transitreisende entfallen, während der entsprechende Anteil in Zürich bei 40% liegt. Das bedeutet auch, dass die Passagiere, die in Genf ein Flugzeug besteigen, den Airlines eine vergleichsweise hohe Rentabilität bringen - ein Plus, das im heute recht schwierigen wirtschaftlichen Umfeld von besonderer Relevanz ist.

sda/ph/fme 18. Oktober 2002

Flughafenausbau bringt Schulden

Zürich: Unique, die Betriebsgesellschaft des Flughafens Zürich, hat finanzielle Sorgen. Der Schuldendruck lastet schwer. Bereits am Donnerstag hat der Zürcher Regierungsrat bekräftigt, dass er keine Belastungen des Staatshaushaltes aufgrund der finanziellen Probleme des Flughafens Zürich erwarte.

«In den kommenden 12 bis 18 Monaten stehen wir unter grossem finanziellen Druck», räumt Felder in einem Interview mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» vom Samstag ein. Grund ist der Ausbau des Flughafens. Im Jahr 2005, nach Abschluss des Ausbaus, wird Unique mit 2,5 Mrd. Franken netto verschuldet sein, und fast die Hälfte des Cashflow wird für die Schulden abfliessen. Dennoch zeigt sich Felder optimistisch, dass ab dem laufenden Jahr Gewinne geschrieben würden. Unique habe «Worst-Case-Szenarien durchgerechnet» und würde auch diese überstehen. Selbst einen Konkurs der Swiss würde Unique überleben, sagt Felder, die Lehren aus dem Swissair-Grounding seien gezogen und die betriebskritischen Funktionen aus dem Besitz der SAirGroup übernommen worden.

Kanton: «Kein Grund zum Zweifeln»
In seiner Antwort auf eine dringliche Anfrage der SP-Kantonsrätinnen Liliane Waldner (Zürich) und Dorothee Jaun (Dübendorf) hat die Zürcher Regierung festgehalten, sie sehe keinen Grund, weshalb die diesjährige Kreditgewährung von 826 Mio. Franken an die Flughafenbetreiberin Unique negative Auswirkungen auf den Voranschlag 2003 des Kantons haben könnte. Die beiden Kantonsrätinnen hatten sich besorgt zur Finanzlage von Unique und derjenigen des Kantons Zürich - mit 49 Prozent des Aktienkapitals grösster Unique-Aktionär - geäussert. Wenn der Geschäftsgang so weitergehe, sei absehbar, dass der Kreditrahmenvertrag über 826 Mio. Franken nicht ausreichen werde.

Die 826 Mio. Franken dürfen nur für Tiefbauten der 5. Bauetappe (Rollwege, Servicetunnel, Gepäck-, Catering- und Frachtanlagen) verwendet werden. Laut Kostenreporting der Unique vom 30. Juni werden die Gesamtausgaben für die Tiefbauprojekte für die Jahre 2000 bis 2005 auf gut 783 Mio. Franken veranschlagt. Auch der Regierungsrat erwartet, dass wegen der 5. Bauetappe bis 2004 die Nettoverschuldung ansteigt. Die Eigenkapitalquote von gegenwärtig 29,4 Prozent werde aber «nicht unter 25 Prozent» sinken. Trotz der angespannten konjunkturellen Lage sei festzuhalten, dass die operative Tätigkeit der Flughafen AG auf Budgetkurs liege und «kein Anlass besteht, an ihrer Fähigkeit zur Bedienung des Kapital- und Zinsdienstes zu zweifeln».