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Aus
der Zeitschrift FACTS 48/2002 vom Donnerstag, 28. November 2002
Kurskorrektur
aus Bern
Unique
hat nicht den Auftrag, eine internationale Verkehrsdrehscheibe zu sein. Dies
macht Bundesrat Moritz Leuenberger in einem Brief unmissverständlich klar.
Von
Harald Fritschi
Bundesrat
Moritz Leuenberger stellt die Zürcher Flughafenbetreiberin Unique in den
Senkel. Airport-Chef Josef Felder und seine Crew betonen bei jeder sich
bietenden Gelegenheit, dass Unique vom Bund den Auftrag habe, Kloten als
internationale Luftverkehrsdrehscheibe, einen so genannten Hub, zu
betreiben. Dieser Auffassung tritt der Verkehrsminister nun mit deutlichen
Worten entgegen.
In
einem Antwortschreiben an einen besorgten Bürger, datiert vom 22. Oktober,
schreibt der Uvek-Chef: "Der Flughafen wird jedoch in keiner Weise dazu
verpflichtet, seinen Betrieb auf die Funktion als Hub auszurichten".
Von einem Strategiezwang könne in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein.
Dem Flughafen bleibe "die unternehmerische Freiheit" für einen
Wechsel "auf eine andere Strategie durchaus erhalten".
Unique
hat für diese Interpretation ihrer Aufgabe als Landesflughafen wenig Verständnis.
Mit den zentralen Passagen in Leuenbergers Brief konfrontiert, hält ihr
Sprecher Jörn Wagenbach fest: "Wir haben den klaren Auftrag des
Bundesrats, in Kloten einen Hub zu betreiben". Punkt und Schluss.
Unique
stützt sich dabei auf den Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL), den
der Bundesrat am 18. Oktober 2000 verabschiedete. In diesem über hundert
Seiten umfassenden Papier wird der Schweizer Flugverkehr mit der Raumplanung
und dem Umweltschutz koordiniert. Dort heisst es zu Kloten: "Der
Flughafen Zürich soll seine Rolle als eine der grossen europäischen
Drehscheiben des Weltluftverkehrs wahrnehmen können". Diese
Festschreibung bestätigt vordergründig die Sicht von Unique.
Das
Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bestätigt dennoch die Richtigkeit des
Diktums aus dem Verkehrsdepartement. "Der Bundesrat", sagt
Bazl-Sprecher Daniel Göring, "gibt dem Zürcher Flughafen im
SIL-Papier Entwicklungsspielraum - nichts weiter". Von verbindlichem
Auftrag des Bundesrats keine Spur.
Diese
Auslegung stösst bei Swiss sauer auf. "Leuenberger widerspricht sich
selber", sagt Swiss-Flughafenbeauftragter Davor Frank. Im SIL habe
Leuenberger selber beschrieben, welches die Aufgabe des Flughafens Kloten
sei. Und diese habe der Gesamtbunbundesrat genehmigt. Immerhin gesteht Frank
ein, dass die Formulierung im SIL "auch eine andere
Interpretation" zulasse, diejenige von Unique sei aber zweifellos nicht
verboten.
Einen
ähnlichen Tenor schlägt die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion an. Ruedi
Jeker möchte zwar Leuenbergers Brief nicht kommentieren. Er hält indessen
in einer schriftlichen Stellungnahme fest, dass "aus rechtlichen, aber
auch aus politischen und volkswirtschaftlichen Gründen" die Flughafen
AG nicht frei sei "bezüglich der Wahl ihrer Strategie". Und fügt
hinzu: "Die Ziele des SIL sind bisher vom Bund nicht in Frage gestellt
worden".
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Mit
der Präzisierung des SIL-Grundsatzes durch den Verkehrsminister gerät die
Hub-Strategie von Unique und Swiss ins Wanken - und damit eine Vorstellung,
die bis in die Zürcher Regierung hinein als eherne Tatsache galt: Dass
Kloten qua Bundesauftrag ein Hub ist, immer ein Hub war und auch künftig
einer bleiben wird.
Doch
seit Verabschiedung des SIL haben sich die Rahmenbedingungen für den
Flughafen dramatisch verändert. Damals gingen die Verantwortlichen im Bazl
noch von sehr optimistischen Voraussetzungen aus. Bis ins Jahr 2010
erwarteten die Prognostiker des Bazl 380'000 Starts und Landungen. 34
Millionen Passagiere sollten in diesem Jahr durch den Flughafen geschleust
werden, deren Zahl bis ins Jahr 2020 auf 43 Millionen steigen sollte.
Derzeit sind es rund 20 Millionen. Jährlich, so die Prognose, würde die
Zahl der Passagiere um 4 Prozent wachsen, die Wirtschaft mit einer
Jahresrate von 2 bis 2,5 Prozent zunehmen.
Wachstum
ohne Grenzen. Dieser illusionäre Traum der ausklingenden Neunzigerjahre ist
brutal zu Ende gegangen. Der 11. September 2001 hat die internationale
Airline-Branche in die grösste Krise seit ihrem Bestehen gestürzt. Die
grossen Fluggesellschaften schreiben Jahr um Jahr Verluste in Milliardenhöhe.
Die Passagierzahlen stagnieren, sie werden auch künftig nur moderat
steigen. Ein Ende der Airline-Krise ist nicht abzusehen, sie wird durch die
weltweite Rezession noch weiter verschärft.
Swiss
selbst ist in den roten Zahlen. Die mit Steuergeldern wieder aufgepäppelte
nationale Fluggesellschaft verliert derzeit zwei Millionen Franken pro Tag.
Experten betonen, dass die Schweizer Airline noch immer mit Überkapazitäten
fliegt. Die Formel von je 26 Langstrecken- und Mittelstrecken-Flugzeugen
lasse sich nicht aufrechterhalten - trotz der hohen Zahl von 40 Prozent
Umsteige-Passagieren. Und Unique hat mit dem Dock Midfield eine
milliardenteure Planungsruine am Hals, die nie ausgelastet sein dürfte.
Doch die Verantwortlichen am Unique-Sitz in Zürich und bei der Swiss in
Basel geben ihre ambitiösen Pläne nicht auf. Die Schweiz, daran halten sie
fest, braucht in Kloten einen Hub.
Aufgabenteilung im
Flugverkehr
Flughäfen
können verschiedene Funktionen übernehmen. Grundsätzlich stehen zwei
Betriebskonzepte zur Auswahl, die mit einem dritten kombiniert werden können.
Der Hub
Er
ist ein internationales Verkehrsdrehkreuz - ähnlich einem grossen Bahnhof.
Zu bestimmten Zeiten bringen Regionalflugzeuge viele Umsteigepassagiere in
den Hub. Dort steigen die Fluggäste in die Interkontinental-Maschinen um.
Der Zubringer-Flughafen
Er
selbst hat keine oder nur wenige weltweite Verbindungen. Von diesem
Flughafen aus werden die Passagiere zu den Hubs geflogen. Wien und
Kopenhagen funktionieren als solche Zubringer.
Das Punkt-zu-Punkt-Konzept
Dieses
ergänzt die Verbindungen vor allem auf Zubringer-Flughäfen, teilweise aber
auch auf Hubs. Es werden nur Direktflüge angeboten, zum Beispiel von Genf
nach London oder von Zürich nach Frankfurt.
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